Studie St. Petri Waisenhaus 1933-45

09 Mai

Nun liegt mit der Recherche und Sichtung des St. Petri Archivs durch die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Frau Gerda Engelbracht ein weiterer Baustein vor, der sich mit der der Historie der Stiftung St. Petri Waisenhaus von 1692 in Bremen in den Jahren 1933-45 beschäftigt. Die Träger der Diakonischen Jugendhilfe in Bremen und das Diakonische Werk Bremen e.V. hatten mit Unterstützung der Bremischen Evangelischen Kirche bereits Anfang 2016 eine Aufarbeitung ihrer Arbeit während der Zeit der NS-Herrschaft vorgenommen. Im Rahmen dieser Aufarbeitung hatte das Diakonische Werk Bremen e.V. die Bremer Kulturwissenschaftlerinnen Gerda Engelbracht und Dr. Andrea Hauser beauftragt, in Bremischen und auswärtigen Archiven und Sammlungen zu recherchieren, um herauszufinden, wie die Situation von Bremer Kindern und Jugendlichen war, die während der NS-Zeit in evangelischen Kinderheimen und Fürsorgeanstalten untergebracht waren. Die Ergebnisse dieser Recherche wurden im Rahmen einer Veranstaltung am 15. Januar 2016 von Frau Engelbracht im Gemeindehaus der St. Petri Domgemeinde vorgestellt. Gerahmt wurde der Vortrag durch einleitende Worte von Landesdiakoniepfarrer Pastor Meyer. Ergänzt wurden die Vortragsinhalte um eine mittlerweile weitere, von Frau Engelbracht erstellte Studie: Jugendliche aus Bremen in der Betheler Zweiganstalt Freistatt (1940-1945).

Als Datum für die Veranstaltung wurde der 80. Jahrestag einer Verfügung gewählt, die die Auslese von sog. „erbgesunden und rassisch einwandfreien Jungen“ und sog. „minderwertigen und nichtarischen Kindern“ veranlasst hat. In dieser Grundlagenstudie wurden bereits 2016 Forschungsdesiderate benannt, die in der erneuten Beauftragung von Frau Engelbracht durch die Stiftung St. Petri Waisenhaus von 1692 in Bremen aufgegriffen wurden.

In der nun vorliegenden Ergänzungsstudie wurden exemplarische Akten aus einem Bestand von insgesamt 788 Bewohnerakten des St. Petri Archivs aus den Jahren 1933-1945 gesichtet. Zudem die überlieferten Bewohnerkarteien ausgewertet. Die Studie geht dabei auf die Wege der Bewohner, Entlassungen/Verlegungen, Wohlwollender Umgang/Unterstützung, Erziehung/Gewalt, Anstaltsalltag im Nationalsozialismus, Ausgrenzung und Erbkrankheiten/Sterilisation näher ein. Die Biografien von den Bewohnern Selmar Störmer, Hans Schloh und Franz A. werden exemplarisch näher betrachtet. Ebenso werden die Biografien der beiden Vorsteher des St. Petri Waisenhauses Johann Klüsing (1933-1940) und Wilhelm Dresen (1940-1947) aufgearbeitet. Aus der Studie wird ersichtlich, dass viele Bewohner (mindestens 104) in andere Einrichtungen verlegt wurden, 74 von Ihnen in den Ellener Hof.

Aufgrund dessen hat das Diakonische Werk Bremen entschieden, mit einer weiteren Beauftragung die Bewohnerakten des Ellener Hofes sichten zu lassen, die im Zuge der Forschungsaktivitäten mittlerweile in das Bremer Staatsarchiv überführt wurden.

Insgesamt konnten die Studien „Bald Leid, bald Freud – Die Geschichte der Stiftung St. Petri Waisenhaus von 1692 in Bremen“, Karl-Heinz Wriedt, Bremen 1992 und „400 Jahre – Vom Roten Waisenhaus zur Stiftung Alten Eichen 1596-1996 – Die Geschichte eines Bremer Kinderheimes“, Angelika Timm, Bremen 1996, sehr umfassend ergänzt werden und weitere Forschungsdesiderate benannt werden.

Vortrag zur Studie (save the date): Frau Engelbracht wird die Ergebnisse der Studie allen Mitarbeiter*innen und auch extern Interessierten am 22.8.2017, um 18 Uhr im Plenumsraum der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe in der Sudwalder Straße 3, 28307 Bremen vorstellen.

Interessierte können die Studie über info@jub-bremen.de erhalten.

Wir wünschen gute Erkenntnisse beim Lesen der Studie.

Hermann Bosse: 1. Verwalter der Stiftung St. Petri Waisenhaus von 1692 in Bremen

Bernd Schmitt: Geschäftsführer Diakonische Jugendhilfe Bremen gGmbH und St. Petri Kinder- und Jugendhilfe gGmbH