Erstmals internationale Jugendbegegnung in St. Petri

13 Aug

20 Jugendliche aus der Türkei und aus Bremen treffen sich

Bremen-Osterholz. Die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe veranstaltet mit dem Verein "Diyarbakır Sinema Derneği" aus der Türkei die deutsch-türkisch-kurdische Jugendbegegnung mit dem Titel „Mach dich stark – Kendine güc ver- Xwe hêzdar bikin", die junge Menschen aus Deutschland und der Türkei zusammenbringt. Die Gruppe aus Bremen trifft sich mit der Gruppe aus Diyarbakir (Türkei) erstmals vom 5. bis 14. August in Bremen, im Herbst findet der Gegenbesuch in der Türkei statt. Ziel dieser Jugendbegegnung mit 20 Teilnehmenden ist es, dass sich die Jugendlichen kennenlernen und über Zukunftsvorstellungen austauschen.

Ein Hindernis ist für die Jugendlichen die Sprachbarriere – nicht alle Teilnehmenden sprechen Deutsch, Türkisch, Kurdisch oder Englisch. Doch dank gegenseitiger Übersetzung, Online-Übersetzungstools und viel gutem Willen ist diese Hürde schnell überwunden. „Für mich ist es toll zu sehen, wie wir trotz der Sprachbarriere als Gruppen zusammenwachsen. Und wo der Google Übersetzer nicht weiterhelfen kann, versuchen wir es eben mit Händen und Füßen“, erklärt der 19-jährige Michael aus Bremen. Den Jugendlichen ist es wichtig, sich zu verständigen und deshalb finden sie Lösungen, weiß auch die Projektleiterin Cemile Tolan (St. Petri). Durch verschiedene Spiele und Sprachanimation, wie Partnerinterviews, startete die internationale Jugendbegegnung mit einem lockeren und spielerischen Zugang zueinander. „Es war zunächst wichtig, als Gruppe zusammenzuwachsen und sich kennenzulernen“, sagt Cemile Tolan

Neben dem Kennenlernen stand aber auch das Thema der Jugendbegegnung bereits zu Beginn im Fokus. Ziel ist es die jungen Menschen zu motivieren, sich mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, welche Perspektiven sie sich über die in ihrem Heimatland bestehenden Bildungsangebote erarbeiten wollen. In den Workshops „Visionboard“, „Was ist Bildung“ und „Zielentwicklung“ ging es genau darum. Mehrsprachig haben die Jugendlichen sich an der Diskussion und dem Workshop beteiligt. „Ich fand die Workshops spannend und bereichernd. Oft reden wir über unsere verschiedenen Kulturen. Doch durch die Workshops konnte ich es nochmal besser erkennen und verstehen“, sagt die 18-jährige Cansel aus Diyarbakir.

Auch ging es darum, die Hansestadt (insbesondere Osterholz-Tenever) als Heimat der Bremerinnen und Bremer kennenzulernen. Daher war eine Führung über das Gelände von St. Petri in der Sudwalderstraße natürlich Pflicht. Erstmals öffnet sich der Bremer Träger der Jugendhilfe mit dieser Jugendbegegnung somit international. „Ich finde das Projekt spannend und hoffe, dass auch die nächsten Tage interessant und informativ für die Jugendlichen werden“, so der Bremer Einrichtungsleiter André Rulfs bei der Vorstellung der St. Petri Kinder und Jugendhilfe gGmbH. Nach der Führung über das Gelände von St. Petri durfte die Gruppe den Ortsamtsleiter Osterholz Ulrich Schlüter besuchen und viele Fragen zu den Aufgaben eines Ortsamtsleiters stellen. Auch das war für die Jugendlichen ein spannender Einblick in die politischen Strukturen Bremens. „Jugendliche sind unsere Zukunft“, sagt Ulrich Schlüter kurz und knapp beim gemeinsamen Mittagessen mit den Jugendlichen. „In Osterholz-Tenever gibt es seit vielen Jahren ein gelungenes Miteinander der Kulturen und daher freue ich mich, dass St. Petri das Zusammenkommen der Jugendlichen aus der Türkei und aus Bremen ermöglicht“, so der Ortsamtsleiter.
Dafür bedankte sich auch der türkische Einrichtungsleiter Özgür Akkaya: „Es geht darum, andere Länder und Kulturen kennenzulernen und auch die eigenen Ziele und Stärken. Die Jugendlichen konnten hier tolle Erfahrungen sammeln. Ich hoffe, dass wir auch weiterhin auf internationaler Ebene mit St. Petri so gut zusammenarbeiten werden.“
Ohne das große Engagement der Mitarbeitenden aus Bremen und aus Diyarbakir sowie die Unterstützung der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe, Jugend für Europa Nationalagentur Erasmus + Jugend in Aktion, Deutsch- Türkische Jugendbrücke gGmbH, Children for a better World e.V., dem Servicebuero Bremen, der Stiftung Umverteilen, des Jugendbeirats Osterholz, der Gewoba und dem Ortsamt Osterholz wäre die Jugendbegegnung nicht möglich gewesen. Denn neben der inhaltlichen Arbeit gab es auch einige bunte Programmpunkte, wie ein Besuch der Bremer Sehenswürdigkeiten und des Klimahauses in Bremerhaven. „Für die Jugendlichen aus der Türkei ist es die erste Auslandsreise überhaupt. Ähnlich wird es einigen der Bremer Jugendlichen im Oktober gehen, wenn der Gegenbesuch ansteht“, so Projektleiterin Cemile Tolan. Auf den Gegenbesuch freut sie sich gemeinsam mit den Jugendlichen schon jetzt sehr.

Hintergrund:

Die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe gGmbH ist ein Jugendhilfeträger mit verschiedenen Jugendhilfeangeboten. Die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe gGmbH ist überwiegend im Bremer Osten tätig und Mitglied im Diakonischen Werk. In der Trägerschaft von St. Petri befindet sich das Projekt Jugend stärken im Quartier, mit dem diese Jugendbegegnung umgesetzt wird. Ein Schwerpunkt ist der Berufseinstieg von jungen Erwachsenen (Berufsberatung). Das Programm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und den Europäischen Sozialfonds gefördert.
Der Verein in Diyarbakir hat das Ziel, jungen Menschen aus Diyarbakir eine Vielfalt von kulturellen Aktivitäten in und um Diyarbakir anzubieten. Mit diesen Aktivitäten möchte der Verein Kindern und Jugendlichen auf lokaler, nationaler und auf internationaler Ebene Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer Persönlichkeiten bieten und ihnen eine kunst- und kulturbewusste Lebensart vermitteln.

Bilder und Text: Regina Bukowski